Neues Unicorn ClassPass: Plattformmodell löst traditionelle Fitnessstudios ab

von Nancy Wächter, Philipp Steinkraus, Marie Daut

Stell dir vor, du könntest in den Fitness- und Wellnessstudios deiner Stadt genau die Kurse und Angebote wahrnehmen, die dir gerade in den Kram passen. Fitness wie, wann und wo du willst – das ermöglicht ClassPass seinen KundInnen. Das frisch gekürte Unicorn geht mit einem außergewöhnlichen Geschäftsmodell durch die Decke. Wir erklären, was dahintersteckt, wie das Unternehmen zum Unicorn wurde und wagen einen Blick in die Zukunft.

Im Januar 2020 hat die Unternehmensbewertung von Unicorn ClassPass eine Milliarde US-Dollar geknackt. Damit ist ClassPass das erste Unicorn dieser Dekade. Die Investoren glaubten ab der ersten Fundingrunde an den Erfolg ihrer Fitnessplattform.

Unicorn ClassPass erleichtert SportsfreundInnen das Leben

Kein Wunder, denn die Idee hinter ClassPass trifft den Zahn der Zeit: Gesundheit wie, wann und wo du willst. ClassPass bietet eine Plattform zur studioübergreifenden Buchung von Fitness- und Wellnessangeboten. Mit einem flexiblen Mitgliedschaftsmodell erhalten NutzerInnen Zugang zu über 30.000 ausgewählten Partnerstudios auf der ganzen Welt.

Der Kunde besitzt bei ClassPass also keinen typischen Fitness-Vertrag. Vielmehr handelt es sich um einen flexiblen Rahmen: Fitnesskurse und Wellnessanwendungen können per App gebucht werden – ohne Studiomitgliedschaft!

Auch Firmen buchen die Pakete für ihre Mitarbeitenden. Mehr als 1.000 gewerbliche Kunden hat die Fitnessplattform mittlerweile, darunter Morgan Stanley, Goldman SachsGoogle und Facebook.

 

Flexibles Abo statt Studiovertrag

NutzerInnen stehen insgesamt vier Abo-Modelle zwischen 15 und 96€ zur Auswahl. Je nach Modell erhältst du eine fixe Anzahl an Credits in der App. Diese löst du für deine Lieblingsangebote ein – und wanderst von Kurs zu Kurs, ohne im ausführenden Studio Mitglied werden zu müssen.

Wie viele Credits für welches Angebot fällig werden, hängt von Auslastung, Tageszeit und Aufwand des Kurses ab. Die Buchung funktioniert direkt per App.

Wer seine Credits im einen Monat nicht aufbrauchen kann, übernimmt sie für den Folgemonat.

Wenn die Punkte dagegen nicht ausreichen, können NutzerInnen zusätzliche Credits gegen eine Gebühr aufbuchen.

 

Durch KI die passenden Fitnessangebote finden

Das Kursangebot ist vielfältig: Es beinhaltet Fitnesskurse wie Yoga, Spinning, Pilates, Krafttraining oder Boxen, aber auch Wellnessangebote von Massage über Akupunktur bis hin zu Spa-Behandlungen. 

Mittels künstlicher Intelligenz macht es Unicorn ClassPass den Nutzern besonders einfach, die passenden Angebote zu entdecken. Es gibt individuelle Empfehlungen, die auf den jeweiligen Zielen und Präferenzen der Mitglieder beruhen.

 

 

Zu schön, um wahr zu sein?

Flexibilität und ein großes Angebot – damit lockt ClassPass seine KundInnen. Aber funktioniert es wirklich so einfach? Zumindest in Online-Rezensionen tritt zutage, dass die Buchung der Kurse doch nicht so problemlos verläuft.

Zahlreiche Bewertungen thematisieren Verzögerungen in der Kündigung der Mitgliedschaft.

 

Deutsche KundInnen klagen ebenso, dass nur wenig Kurse zu praktikablen Tageszeiten zur Verfügung stehen. Offene Spots sind wohl weit im Voraus und sehr schnell ausgebucht. Ein spontaner Gang ins Studio ist damit eher nicht drin. Oder liegt es an Anlaufschwierigkeiten in Deutschland?

Ein weiterer Streitpunkt: Bei Nicht-Erscheinen zum Kurs genauso wie bei verspätetem Erscheinen fallen Strafgebühren an.

Damit werden Fitnessmuffel motiviert, tatsächlich zum Kurs zu kommen – und ClassPass hat nebenbei eine weitere Einnahmequelle.

 

WinWin für Unicorn ClassPass und Partner?

Wie finden denn die Partner ihre Kooperation mit ClassPass? Zum einen profitieren Partnerstudios durch eine zusätzliche Auslastung ihrer Kurse und können ihre Kapazitäten vorteilhaft ausplanen.

Zum anderen greift ClassPass das Konzept des klassischen Sportstudios an. Mitglieder wandern vom eigentlichen Trainingsort zum Zwischenhändler ab. ClassPass beteiligt die Studios mit Kommissionen, die weit unter dem Preis für direkte KundInnen liegt. On top bekommen die Studios kostenfreie Publicity und neue KundInnen, die vielleicht irgendwann konvertieren könnten – vielleicht aber auch nicht.

Was auf den ersten Blick wie eine WinWin-Situation scheint, könnte sich bei genauerem Hinsehen als Einbahnstraße entpuppen. ClassPass sitzt am immer länger werdenden Hebel, kritisieren manche ehemalige Partnerstudios. Kleine, traditionell geführte Sportstudios mit oftmals geringen Kapazitäten verlieren ihre Wettbewerbsfähigkeit. Wer sich dem Trend nicht anschließt, hat quasi verloren.

 

Deutscher Wettbewerber Urban Sports Club

Das deutsche Unternehmen Urban Sports Club zählt zu den größten Wettbewerbern für ClassPass und hat seinen Hauptsitz in Berlin. Die Plattform bietet ebenfalls Fitnessflatrates an, mit denen Mitglieder bei mehr als 8.000 Anbietern in 9 europäischen Ländern Sport treiben können.

Urban Sports Club verfolgt dabei eine aggressive Expansionsstrategie: Es konnte in den letzten Jahren die Sportflatrate-Konkurrenten OnefitSo much more, 99Gyms, Fitengo und Fitrate aufkaufen.
Möglich machen diese Strategie mehrere Finanzierungsrunden mit hohen zweistelligen Millionenbeträgen.

 

Vielseitige, starke Investoren für ClassPass

 Mittlerweile zählt ClassPass ganze 39 Kapitalgeber. Temasek Holdings und Apax Digital sind die jüngsten Investoren; Acequia Holdings und Temasek Holdings die Aktivsten und Beteiligungsstärksten.

 

Gegründet wurde ClassPasss 2013 von Mary Biggins, Payal Kadakia und Sanjiv Sanghavi. Bereits ein Jahr nach der Gründung gelang es dem Unternehmen, 15 Millionen US-Dollar frisches Kapital einzusammeln. Die Series B und die anschließende Venture Round brachten dank Investoren wie General Catalyst oder GV rund 70 Millionen US-Dollar ein.

 

Bis Ende 2019 fanden drei weitere Invest-Runden statt mit insgesamt 178 Millionen US-Dollar. Die aktuellste Series E Round im Januar 2020 hat diese Summe nun übertroffen. Mit 285 Millionen US-Dollar Kapital stiegen weitere Investoren wie z.B. Apax Digital ein. Damit ist ClassPass aktuell mit rund 1 Milliarde US-Dollar bewertet und darf sich als Unicorn bezeichnen.

Klug gewählte Kapitalgeber

Die Investoren von ClassPass sind vielseitig und breit gestreut – ein strategischer Schachzug. Durch Beteiligungen von Catterton, Apax oder Temasek holt sich ClassPass unterschiedlichste Expertise ins Haus: Catterton verfügt über langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit führenden Fitnessmarken. Apax besitzt einschlägige Erfahrungen in der weltweiten Skalierung von Unternehmen im Bereich Digitale Märkte und Abonnement-Modelle.

 

2020 und danach: Ausblick

Die Investments der Series E Round ermöglichen Classpass, ihren Wachstumskurs weiter und steil fortzusetzen. Dabei fokussiert das Unternehmen eine Expansion innerhalb der bereits bestehenden Märkte sowie nach Europa und Südamerika.

Erreichen will ClassPass seine Expansionsziele durch den Ausbau der Angebote für Firmenkunden, die Erweiterung des Angebotes durch neue Wellnessoptionen sowie eine Verdopplung der Unternehmenspartner.

That's all? Hier liest du, was ein Unicorn eigentlich ist. In anderen Blogbeiträgen berichten wir von weiteren Unicorns, z.B. von InstabaseBigBasket oder Bird.

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